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Entstehung des Nachnamens “Stolten”
Wie entstanden Familiennamen? Die Menschen der verschiedenen germanischen Volksstämme, die im heutigem Deutschland ansässig waren kannten
noch keine Familien- oder Beinamen. Das war auch nicht nötig, denn in verhältnismäßig kleinen Menschengruppen reichte es aus sich beim Vornamen zu nennen, ohne das Verwechslungen auftraten. Mit der Zeit aber wurden
die Menschen sesshafter, gründeten erste Ansiedlungen, Dörfer dann Städte, die wiederum immer größer wurden. Wirtschaftliche Interessen, sowie rechtliche Gesichtspunkte waren es die eine sehr wichtige Rolle bei
der Verbreitung von Beinamen spielten.
Erste Beinamen und berühmte Träger solcher Beinamen waren z.B. der Westgotenkönig Alarich, wegen seiner Kühnheit erhielt er den Beinamen Baltha
(der Kühne). Ein weiterer Könige der Westgoten wurde Wamba (Bauch, Wampe) genannt. Das Wort “Wampe” für einen dicken Bauch gibt’s ja Heute noch. Von den Karolingern
sind Karl der Dicke und Karl der Kahle bekannt. Jeder kennt König Barbarossa der mit Vornamen Friedrich I hieß. Von den Italienern erhielt er wegen seines rötlichen
Bartes den Beinamen Friedrich Barbarossa. Der Kontrahent Barbarossa’s bekam wegen seiner Tapferkeit den Beinamen Heinrich der Löwe.
Diese ersten bekannten Beinamen wiesen aber einen entscheidenden Unterschied zu den später und heute gebräuchlichen Beinamen auf. Mit dem Tod des
Namensinhabers starb auch deren Beiname, da er an die Personen gebunden war. Es war also noch kein vererblicher Familienname, sondern eher eine Huldigung an die betreffende Person.
Zuerst ist eine
Zunahme der erblichen Beinamen in Adelskreisen zu verzeichnen. Das fällt in die Zeit von 1037 zurück, genauer in die Regierungszeit von Konrad II. Im Jahr 1037 wurde von Konrad II ein Gesetz erlassen, das die Lehen
erblich machte. Dieses Gesetz machte es für den Adel notwendig einen vererblichen und eindeutigen Namenszusatz zu führen damit bestehende Privilegien und Besitzansprüche auch erblich geltend gemacht werden
konnten.
Da immer mehr Menschen den gleichen Rufnamen (bei den Stolten’s z.B. gibt es oft die Namen Heinrich, Hinrich, Anna oder Catharina) trugen,
war eine unmissverständliche Identifizierung der einzelnen Person in der Erbfolge nicht mehr gewährleistet.
Ab etwa 1100
führten dann auch erste angesehene Familien in den größeren Städten Beinamen. Das war keine bloße Nachahmung des Adels aus Prestigegründen oder Vornehmtuerei sondern diente ebenso der Sicherung des Familienbesitzes. Das städtische Patriziat verfügte oft über ein beträchtliches Kapital, bestehend aus Lehen und Grundbesitz und man war auch hier daran interessiert den Familienbesitz erbrechtlich zu sichern.
Der beginnende Ausbau von Stadtverwaltungen mit ersten Zins- und Steuerregistern ab etwa 1200 und vor allem die Zunahme der Schriftlichkeit, (Schreiben und Lesen konnten in jener Zeit nur die
Gelehrten) wie z.B. das Abfassen von Kaufverträgen, Heiratsverträgen oder Testamenten machte es immer notwendiger das auch einfache Bürger, Handwerker und Kaufleute ohne Adelstitel eindeutig zugeordnet werden zu
können, bzw. auch hier wollte man seinen Besitz durch schriftliche Verträge absichern können und Personen genauer zuordnen können. Dazu war es wichtig einen eindeutigen Beinamen zu führen der die Vertragspartner von
anderen Trägern des selben Vornamens unterschied. Etwa um 1400 hatten sich die Beinamen in den Städten weitestgehend durchgesetzt, obwohl bis etwa 1500 noch der Rufname als der eigentliche Name galt. In den
ländlichen Gebieten dauerte es noch bis ca. 1500 bis sich Beinamen oder Familiennamen vollends durchzusetzen begannen. Das älteste uns bekannte Dokument das den Namen “Stolten” aufführt, stammt aus
Hamburg und ist ein Testament aus dem Jahr 1480.
Was bedeutet der Familienname “Stolten”? Für die Entstehung des Nachnamens Stolten gibt es nicht so viele Varianten wie bei anderen Namen, denn die Stolten’s sind im laufe der Jahrhunderte bis Heute zum
größten Teil in ihrer Heimat Schleswig/Holstein, Kreis Segeberg und der näheren Umgebung (ca. 30-40 Kilometer im Umkreis), sowie in Hamburg ansässig geblieben, was die Deutung einfacher macht. Der Familienname
Stolten leitet sich zunächst von der in Schleswig/Holstein liegenden Ortschaft "Stoltenberg" ab. Diese liegt etwas nördlich von Sülfeld, Tönningstedt und Leezen bei Kiel. In jener Zeit wurde
Niederdeutsch gesprochen (Plattdeutsch), ein Ortsüblicher Dialekt. Die ersten Familienmitglieder der Stolten’s, die wohl auf einem Hügel, bzw. Berg lebten wurden sehr wahrscheinlich mit “die
Stolten” betitelt. Stolt bedeutet in der Alt-Niederdeutschen Sprache soviel wie: stolz, stattlich, hochmütig, ansehnlich. Sehr wahrscheinlich waren die Leute die dort auf dem Berg lebten vom Charakter her
hochmütig oder stolz, was ihnen mit der Zeit den Beinamen (Spitznamen) Stolten eintrug. Man wird wohl gesagt haben: “De Stolten vun de Barg” (Die Stolzen vom Berg) woraus sich der Ortsname Stoltenberg
entwickelte, der dann in der Kurzform “Stolten” unser Beiname und jetziger Familienname wurde.
Vorkommen des Nachnamens
Stolten in Deutschland Ich habe in ganz Deutschland nach den Stolten‘s
gesucht und dabei festgestellt, das wirklich der Großteil im Postleitzahlenbereich 2, also in oder nahe bei Schleswig Holstein lebt. Die Stolten‘s konzentrieren sich vor allem in Hamburg und im Raum Bad
Segeberg, in den Orten Sülfeld, Tönningstedt, Leezen, Eichede, Borstel, Fredesdorf, Kaltenkirchen und Lübeck sowie der Näheren Umgebung dieser Orte.
Dort sind auch die meisten Spuren der Stolten’s zu finden. Unter anderem der Stoltenweg in Sülfeld. In Tönningstedt gibt es den Stoltenkamp und Stolten’s Gasthof.
Und eine liebenswerte Kuriosität die ich zufällig (Oktober 2002) entdeckt habe. Eine kleine Holzbrücke, mit einem eisernen Geländer, nahe der B 432 trägt unseren Namen. Aus Richtung Leezen kommend nach ca. 8
Kilometern biegt eine Straße rechts ab nach Oering. Genau gegenüber dieser Abfahrt nach Oering, also auf der anderen Straßenseite, führt ein kleiner asphaltierterter Landwirtschaftlicher Weg in Richtung
Sülfeld. Wenn man diesen Weg ca. 1 Kilometer hinein geht, dann gelangt man nach einer Biegung an eine kleine Holzbrücke über die Norder Beste. Am Geländer dieser Brücke hängt ein, wie es scheint selbst
geschmiedetes Namensschild mit der Aufschrift “Stolten – Möller”. Wohl die Erbauer dieser Brücke oder die Schmiede des Geländers.
In Hamburg findet man eine Stoltenstraße, sowie die Stoltenbrücke. Gegenüber der Köhlbrandbrücke an der A7 liegt der Stoltenkai. Hamburg hatte sogar
einmal einen Bürgermeister mit dem Namen Stolten (Der Namensgeber der Stoltenstraße, sowie der Bürgermeister Stolten Medallie). Otto Stolten geb. 1853, gest. 1929 war der erste Hamburger Bürgermeister der Sozialdemokraten vor dem 2. Weltkrieg. Ebenso saß zur selben Zeit eine gewisse Johanna Stolten von 1927 – 1933 in der Hamburger Bürgerschaft. Näheres ist mir über Johanna Stolten nicht bekannt. Ob die Beiden miteinander oder mit uns Verwandt sind? Wahrscheinlich!
Dann sind in der Zeit von 1880 – 1930 einige Stolten’s im zuge der großen Auswanderungswelle nach Amerika ausgewandert. Wo sie geblieben sind läßt sich nur noch schwer nachvollziehen.
Bis auf eine Familie: Im Oktober 2004 erhielt ich ein E-Mail von Cindy Stolten aus Scranton, PA. Cindy suchte für Ihren Sohn Daniel ein Familienwappen und einen Stammbaum für den Schulunterricht. Sie hatte diese
Seiten über eine Suchmaschine im Internet gefunden. Cindy und ihre Familie sind, wie sich nach nur kurzer Zeit herausstellte direkte Nachkommen der Stoltenfamilie aus Seth.
Je weiter man von Hamburg aus gesehen südlich nach Deutschland vordringt nimmt die Anzahl der Stolten’s stetig ab. Von deutschlandweit 195
Familien die den Namen Stolten tragen leben 120 Familien in Schleswig Holstein und Hamburg. Der Rest ist in ganz Deutschland verstreut. Der Osten behagte den Stolten’s wohl nie, denn in Ostdeutschland lebte
1997 kein einziger Stolten. Auch wohnen die Stoten’s immer dicht beieinander, egal ob im Norden oder Süden. Es gibt z.B. einige wenige Stoltens im Südzipfel Deutschlands, im Allgäu. Das Allgäu ist groß, aber
alle dort lebenden Stolten’s wohnen in dem kleinen Dorf namens Isny am Niedersonthofener See.
Diese Auswertung habe ich mit Hilfe der CD-ROM, D-Info ’97 gemacht.
Stand der Daten ist also 1996.
© 12/2002 Heiko Stolten
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