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Die Choleraepedemie hat auch vor der Familie Stolten nicht halt gemacht. Innerhalb von nur 9 Tagen verlor Hans Hinrich Stolten erst seinen jüngsten Sohn an die Cholera, dann seine Frau und kurz darauf die älteste Tochter. Man kann sich nur vage Vorstellen mit welcher Tragödie Hans Hinrich Stolten und die verbliebenen Kinder konfrontiert wurden. Ein unvorstellbar harter Schicksalsschlag !
Als erster starb der jüngste Sohn von Hans Hinrich, Ernst Stolten im Alter von nur 22 Jahren. 5 Tage später starb die Mutter von Ernst, die Frau von Hans
Hinrich im Alter von knapp 50 Jahren ebenfalls an der Cholera. Und wiederum nur 4 Tage später nach der Mutter und 9 Tage nach ihrem Bruder starb Doris Stolten im Alter von nur 19 Jahren.
Hans Hinrich starb erst 54 jährig am 5. Juni 1893, 9 Monate nach dieser furchtbaren Tragödie. Vielleicht aus Kummer ! Näheres ist nicht bekannt.
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Phase 1:
Als am 14. August 1892 ein Arbeiter mit starkem Brechdurchfall in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, ahnte niemand in Hamburg, dass eine der schwersten Choleraepidemien in Mitteleuropa ausgebrochen war.
Wie die meisten Hamburger
nahmen auch die Matrosen und Hafenarbeiter keinerlei Notiz davon, dass sich in den Auswandererbaracken auf dem Amerikakai mehr als 5.000 Menschen unter unbeschreiblichen hygienischen Verhältnissen drängten. Es sind russische Juden, die eben erst mit knapper Not den jüngsten Pogromen entronnen waren. In Russland aber wütete die Cholera. Strohschütten von Cholerakranken wurden in die Elbe geworfen und durch die Flut stromaufwärts zur vier km entfernten Wasserentnahmestelle befördert. Das verseuchte Wasser wurde von dort als Trinkwasser auf ganz Hamburg verteilt.
Phase 2:
Am 21. August 1892 fielen weitere drei Menschen einer merkwürdigen Krankheit zum Opfer. Anfänglich war man nicht sehr besorgt, denn man hielt die Krankheit für die "cholera nostras", die wie jedes Jahr im Sommer auftrat. Bereits in den Jahren 1822, 1831, 1832, 1848, 1859, 1866 und 1873 hatten kleinere Cholera-Epidemien Hamburg heimgesucht. Es stellte sich jedoch heraus, das es sich nun um die asiatische Cholera handelte, die weitaus gefährlicher war. Bereits am nächsten Tag erkrankten 1.100 Hamburger an der Seuche, und 455 starben.
Professor Koch, Entdecker des Cholera-Bazillus wurde aus Berlin nach Hamburg geschickt, um den Kampf gegen die Seuche zu überwachen. Er konnte nicht glauben in Europa zu sein, als er die
unhygienischen Verhältnisse in den Armenviertel sah. Einige Tage später schrieb er dem Kaiser nach Berlin: "Ich habe noch nie solche ungesunden Wohnungen, Pesthöhlen und Brutstätten für jeden Ansteckungskeim
angetroffen wie in den sogenannten Gängevierteln, die man mir gezeigt hat, am Hafen, an der Steinstraße, in der Spitalerstraße oder an der Niedernstraße."
Schon lange hatte man den Senat auf die
katastrophalen Bedingungen in den Gängevierteln hingewiesen, doch der sah die finanziellen Interessen der Grundstücksbesitzer bedroht und hielt sich daher zurück.
Panik machte sich auch Außerhalb breit.
Jeglicher Verkehr mit Hamburg kam zum Erliegen und der Handel stand still. Doch andere Arbeiten waren schnell gefunden: 125 Arbeiter schaufelten in Tag- und Nachtschichten Gräber in Ohlsdorf. Desinfektionskolonnen
zogen durch die Straßen um mit dem übelriechenden Chlorkalk die Cholera-Erreger abzutöten. Die Krankenhäuser waren überfüllt, und jeglicher Besuch wurde strengstens verboten. Die Medicial-Behörde gab
Zettel mit Verhaltensregeln heraus und verteilte sie an die Bevölkerung. Weitaus effizienter war jedoch das geheim aufgebaute Verteilersystem der Sozialdemokraten. Sie erreichten die wirkliche Zielgruppe mit ihren
Handzetteln: Die Armen!
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Folgende Hinweise wurden den Menschen gegeben:
Nur gekochtes Wasser trinken Keine Menschenansammlung abhalten Alle Gegenstände desinfizieren lassen, die Kranke berührt haben Tote sofort aus dem Haus bringen Das Sterbehaus nicht betreten
Andere übliche Hausmittelchen (besonders Alkohol) wirken nicht.
Die Original-Bekanntmachung der Cholera-Commissin des Hamburger Senates
Bekanntmachung. Vor dem Genuß ungekochter Speisen, namentlich Elb-und Leitungswasser sowie ungekochte Milch wird dringend gewarnt. Hamburg, den 1 September 1892.
Die Cholera-Commission des Senates
Wahrscheinlich wurde die Seuche durch Seeleute nach Hamburg eingeschleppt, wo es sich besonders in den
Armenvierteln explosionsartig ausbreitete. Grund für die schnelle Ausbreitung waren vor allem die miserablen hygienischen Zustände und das ungefilterte Trinkwasser aus der Elbe.
Angesichts der schlimmen Zustände sah sich der Senat zum Handeln verpflichtet und traf entschiedene Maßnahmen:
Das Gägenviertel wurde grundlegend saniert. Neue Gesetze gegen den Bau unhygienischer Wohnverhältnisse wurden erlassen Das Filterwerk Kalkehofe wurde fertiggestellt Hamburg bekam eine Müllverbrennungsanlage
Zehn Wochen wütete die Seuche in Hamburg. Die schreckliche Bilanz: 16.956 Menschen waren erkrankt
8.605 Menschen starben. 3 der Toten trugen den Namen Stolten.
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