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Wie kamen die Stolten’s nach Leezen / Tönningstedt ? Vier Theorien hierzu.
Theorie 1: Die Stolten’s kommen aus Gottorf ? Im August 2003 bin ich auf folgenden Eintrag gestoßen:
Stolten, Hanß: gestorben 1627 in Nordstapel, Amt Gottorp
Dieser Auszug aus dem (Landesarchiv Schleswig-Holstein Abt. 168 Amtsrechnung Gottorf)
stammt aus dem dafür zuständigen Amtsrechnungen des Amtes Gottorp (Heute Gottorf),
Nordstapel und Gottorp liegen bei Schleswig in Schleswig-Holstein. Also ca. 50 Kilometer von Leezen entfernt, dem Ort wo erstmals Urkundlich erwähnt unsere 1. Generation, Peter
Stolten, geboren um 1615 auftaucht. Die Frage ist: Wie und woher kam Peter Stolten nach Leezen ?
Der volle Text der Amtsrechnung lautet buchstabengetreu:
1627 Nordstapel Stolten Hanß Erben daß sie Hanß Peterßen abgestorbeneß Kindtt, so vngefehr ein halb Jahr begraben gewesen, von seiner Ruhestette vorruckt in dehme sie ihren Vater darhin begraben.”
Makaber: Die Erben von Hanß Stolten haben ein bereits belegtes Grab für ihre Zwecke benutzt. Mit anderen Worten, sie haben die Leiche von Hanß Peterßen’s Kind ein Halbes Jahr nach
dessen Beerdigung entweder aus dem Grab entfernt oder verrückt und Ihren Vater in diesem Grab bestattet. Eine Sparmaßnahme?
Laut Amtsrechnung mussten die Stolten‘s für diesen Frevel eine Strafe von einem Taler an
das Amt Gottorp bezahlen.
Wenn Hanß Stolten von seinen Erben, also von seinen Kindern im Jahr 1627 begraben wurde, könnte Hanß ca. zwischen 1560 und 1570, eventuell früher geboren sein. Hanß könnte somit in Frage kommen
ein Bindeglied zu Peter Stolten, zu sein.
Die Theorie zu Hanß Stolten aus Nordstapel: Peter Stolten (unsere Generation 1) könnte aus Nordstapel bei Gottorp stammen. Vielleicht ein Sohn von Hanß Stolten. Im
Verlauf des 30jährigen Krieges (1618-1648) könnte Peter als junger Mann nach Leezen gegangen sein und dann dort die besagte durch den 30jährigen Krieg wüst liegende Hufe erworben haben. Bei Peter Stolten ist es sehr
wahrscheinlich das er nicht in Leezen geboren wurde, es könnte ja auch Nordstapel gewesen sein. Wie gesagt dies ist nur eine Möglichkeit der man nachgehen sollte. Hanß Stolten könnte aber auch durchaus der Großvater von
Peter Stolten sein. Zumindesten führten die Stolten’s auch hier in jener Frühen Zeit schon ihren Nachnamen, was bei der ländlichen Bevölkerung in jener Zeit nicht unbedingt üblich war.
THEORIE 2: Die Stolten’s kommen aus Franken ?
Dieses wurde in mehreren Familienzweigen immer mal wieder
erzählt. Nun weiß der Familienforscher das an mündlichen Überlieferungen imer etwas dran ist. Also was könnte der Kern dieser Aussagen sein?
Gehen wir mal davon aus das ein durchschnittlich gebildeter Bauer des 19.
Jahrhunderts die 6 Klassige Volksschule besucht hat, Holstein gehörte bis 1864 zu Dänemark. Was lernte so ein junger Mensch in jener Zeit über Franken? Eine Reise nach Hannover war eine 3 Tages Tour. Also muß das Wort Franken
fest in dieser Überlieferung verankert sein. Als Franken bezeichnet man weitläufig das Gebiet um Frankfurt herum. Das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Franken lag dort wo man Heute Belgien, das südliche Holland und
Nord-Rhein-Westfahlen findet. Dort gibt es Heute noch den Namen Große-Stoltenberg ! Fazit: man könnte also annehmen das die Stolten ursprünglich aus dem Süden einwanderten.
THEORIE 3: Die Stolten kommen aus der Probstei ?
Die Probstei ist das Gebiet östlich der Kieler Förde mit dem
Zentralort Schönberg. Dort gibt es einen Ort der Stoltenberg heißt und einen Berg mit gleichen Namen. Aber es gibt hier auch eine alteingesessene Familie Stoltenberg. Wer nun von wem den Namen übernommen hat ist völlig unklar.
Die Probstei war eines der letzten Rückzugsgebiete der heidnischen Slawen, die Reste der Slawen gingen in den nachrückenden Siedlern auf. Diese Siedler kamen aus den Niederlanden und auch aus dem Westfälischen,
ebenso aus Hessen. Es waren Bevölkerungsreiche Länder, die dem Kaiser Siedler zur Verfügung stellten.
Interessant auch hier wieder eine alte Überlieferung: Es gab zwei Brüder Stoltenberg. Der eine hatte seinen Hof an der Küste, welcher durch eine verheerende Sturmflut
ins Meer gespült wurde. Darauf hin wanderte er nach Süden (Richtung Leezen) und nannte sich Stolten.
(Quelle: Hans Jochim Stolten, gehört von dem Vater des
Gerhard Stoltenberg, ehem. Schleswig Holsteinischer Ministerpräsident)
Die Tatsachen: Es gab im Jahre 1625 eine Sturmflut die die gesamte Kolberger Heide mitsamt ihren Dörfern in die Ostsee gespült hatte. Wir erinnern uns:
der älteste Kirchenbucheintrag (unsere Generation 1) stammt von 1640. Könnte also passen. Es tobte zu jener Zeit noch immer der 30 Jährige Krieg. Leider gibt die Stoltenberg Forschung nichts darüber her, ob es einen
Auswanderer gab. Unmöglich ist dieses aber nicht, vielleicht wollte er, nachdem er wegzog, sich von seiner alten Herkunft absondern.
Therorie 4 Die Stolten kommen aus Uelzen?
In Oldendorf, im Kirchspiel Suderburg, Landkreis Uelzen, gab es einen Vollhof No. 2.
Dieser Hof wird seit altersher als der Stoltenhof bezeichnet. Das ist um so
erstaunlicher, da keiner der Nachgewiesenen Eigentümer Stolten hieß. Der erste im Kirchenbuch nachgewiesene Eigentümer war ein Meyer, genannt Stolten. Er war mit Anna Stolten verheiratet. Er war Haus- und Gastwirt um das Jahr 1575. Die Kruggerechtigkeit bestand wohl schon, ist aber
erst ab 1604 erwähnt. Dieser Hof liegt an einer damals sehr wichtigen Herresstraße die von Lüneburg über Uelzen nach Braunschweig führte. Die Meyer genannt Stolten Familie starb 1764 aus.
Eine Notiz zum Stoltenhof, die im Kirchenbuch zwischen den Taufeinträgen der Jahrgänge 1604 und 1605 gefunden wurde.
1605 fand in Stoltens Wirtshaus eine zünftige Schlägerei statt, die von amtswegen wie folgt geahndet wurde.
1.
Casten Lichte zu Oldendorf bei Suderburg, daß er den Müller daselbst in Hans Stolten auch daselbst Behausung gescholten und mit einer zinnern Kanne auf den Kopf geschlagen. Strafe: 6 Mark 3 ß
2. Der Müller zu Oldendorf, daß er Casten Lichte hin- wieder geschlagen. Strafe: 2 Mark 1ß
3.
Casten Cordes zu Oldendorf, daß er Casten Harmes auch in Stolten daselbst Behausung mit der Barde bei das Auge geworfen. Strafe: 10 Mark 5 ß
Der Haupmann zu Bodenteich, Wilhelm von der Wense, schrieb am
14.2.1624, daß es in Oldendorf 2 Krüge und Wirtshäuser gäbe. Der Krug war der Stoltenhof, doch für den zweiten fehlt der Nachweiß. Vielleicht schon der Vollhof No. 1.
Im einer Aufstellung aus dem Jahr 1829 wird der “Stoltenhof” als Krugwirtschaft nicht mehr genannt.
(Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Rolf Hillmer. Heimatforscher in Suderburg)
Man darf also gespannt sein, ob wir eines Tages die Wahrheit ans Tageslicht fördern können!
© 2004 by Heiko Stolten und Michael Ohrts
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