Woher kommen “meine”
Stolten’s ?

Bevor ich begann mich für die Geschichte unserer Familie zu interessieren habe ich mich gefragt warum einige Stoltens – ich auch –, so eine innige Beziehung zu Sülfeld und der ländlichen Gegend rund um Grabau, Neritz, Sülfeld und Tönningstedt haben.
Vielleicht weil während des 2. Weltkrieges Hamburg ausgebombt war und meine Großeltern (Steffie und Fiete) mit ihren Eltern (Adolf und Elise) und mit ihren damals noch 2 kleinen Kindern (ein Kind ist mein Vater) nach Sülfeld geflüchtet sind, aufs sicherere Land? In die Heimat. Die Stolten’s hatten dort im Haus der Familie Kraft auf dem Hügel Unterschlupf gefunden. Familie Kraft ist übrigens wie Familie Stolten eine typische Familie aus Sülfeld und Umgebung.

Adresse während des 2. Weltkrieges: Bei Fam. Kraft, In der Weide 1, Sülfeld, Kreis Segeberg


So erlebe ich Sülfeld persönlich
Als ich Kind war sind meine Eltern mit mir und meinen Großeltern (Friedrich & Steffie) oft an den Sommer-Wochenenden nach Sülfeld gefahren. “ Nach Sülfeld fahren” war ein geflügeltes Wort, denn nach Sülfeld, also in den Ort selbst, sind wir seltener gefahren, sondern meist in die Wälder rings herum. In erster Linie den Wald zwischen Neritz und Grabau und rund um den Grabauer See. Das bedeutete “Sülfeld” für mich. Ich habe Sülfeld und die Wälder in der Umgebung immer als eine Art Heimat empfunden, obwohl ich nie dort gelebt habe. Ich habe mich dort aber immer hingezogen gefühlt, und das ist Heute noch so. Ich kann mich noch gut an die AKN-ähnliche EBOE-Bahn (Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn) erinnern. Bis in die 1970er Jahre rumpelte der Dieselgetriebene Dornkaat-Express, wie er im Volksmund genannt wurde (wegen der großen Dornkaat-Werbung außen) laut tutend durch Sülfelds Wälder. Und natürlich an den Bahnhof, den ich so sehr mochte. Ich liebte es auf den Schwellen der Geleise, den Schienen entlang bis zum Bahnhof (Ich glaube es war Bahnhof Grabau) zu wandern. Noch heute fahren wir mit unserer Familie hin und wieder nach Sülfeld. Vieles ist noch so wie früher, einiges ist neu. Das Haus der Familie Kraft steht noch immer oben auf dem Hügel, nur die Geleise der EBOE sind leider verschwunden und einem schlichten, schnurgeradem Wanderweg gewichen. Schade !!

WURZELN
Ich wußte bis zum Beginn meiner eigentlichen Familienforschung wie gesagt nicht warum ich Süllfeld so heimatlich empfand. Ehrlich gesagt hab ich mir auch nie große Gedanken darüber gemacht. Sülfeld war und ist für mich einfach nur ein Stück Heimat.
Sicher, ich wußte aus Erzählungen, das auch heute noch Stolten’s unserer direkten und weitläufigeren Verwandtschaft in Sülfeld lebt, zu denen aber keinen Kontakt besteht. Leider !! Warum auch immer, ich weiß es nicht mit Sicherheit. Es scheint aber auch an Fiete gelegen zu haben, bzw. an einer dieser typischen Stolten-Charakter-Domäne, die eben auch er in seinen Genen trug. Wie es scheint sind die Stolten-Linien in grauer Vorzeit nicht gut aufeinander zu sprechen gewesen. Das lag daran, das die eine Stolten-Linie die Großbauern waren und die andere Stolten-Linie die Kleinbauern. Kurz gesagt es ging um arm und reich, um Neid, Missgunst, und um alles das was damit zusammenhängen kann. Die alte Geschichte. Obwohl sich Heute ja die Wogen geglättet haben sollten, scheint aber in tiefster Stolten-Seele noch immer die alte Feindschaft latent erhalten geblieben zu sein. Irgendwie wird so etwas an die nächsten Generationen weiter gegeben und alte Feindseeligkeiten leben weiter. Schade wenn’s so wäre!! Ist vielleicht ähnlich wie mit den Bayern und den Preussen.

Trotz allem stellte ich aber fest, das alle Stolten’s ihre Wurzeln in Sülfeld, Tönningstedt und Leezen und der näheren Umgebung haben. Und das nicht erst seit dem 2 Weltkrieg, sondern schon seit vielen Jahrhunderten. Man kann sagen, das diese Gegend unsere angestammte Heimat ist – hier kommen wir ursprünglich her!

Die Stolten’s unserer direkten Linie, sowie Stolten’s anderer Linien, zu denen wir im verwandtschaftlichen Verhältnis stehen, haben ebenfalls ihre Wurzeln in Sülfeld, Tönningstedt oder Leezen. Stolten’s sind dort nachweislich seit dem 16. Jahrhundert ansässig, mit Sicherheit aber noch viel länger, nur das kann ich bisher noch nicht weiter zurück verfolgen. Es sprechen aber viele Indizien dafür, das die Stolten’s mit Endes des 30jährigem Krieges (1618 – 1648) in Leezen und Tönningstedt ansässig wurden, bzw. durch Kriegseinwirkung zerstörte oder verlassene Höfe (wüste Hufen die nicht bewirtschaftet wurden) günstig erwarben und so zu Besitz kamen. Leezen wurde im 30jährigem Krieg fast vollständig zerstört. Höfe die nicht zerstört waren wurden verlassen, lagen wüst sagte man, weil die Besitzer vor den sich nähernden Truppen flohen. Einige Stolten’s sind auf diese Weise zu Großbauern (Vollhufnern) und sogar zu Bauernvoghten (Vorläufer eines Bürgermeisters der meist auch den größten Hof im Ort hatte) aufgestiegen.

Nun sind die Stolten’s nicht nur in Sülfeld und Umgebung geblieben. Ein Teil unserer Linie lebt ja seit etwa den 1880er Jahren in Hamburg. Das wiederum lag daran, das die Höfe im laufe der Zeit unrentabler wurden und immer weiter aufgeteilt wurden (bis zu 1/64 Hufe). Stolten-Männer die in der Erbfolge weiter hinten standen (8-10 Kinder waren normal) mußten Ihr Glück in der nahen Großstadt Hamburg suchen, weil der Hof am Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr genügend Profit und Wohnraum für alle Familienmitglieder abwarf.


© 9/2002 by Heiko Stolten